Die Premium-Wanderwege „Traufgänge“ haben sich zehn Wanderinnen und Wanderer des Taunusklubs Bad Ems für ihre Wanderwoche im April 2026 rund um Albstadt-Ebingen ausgesucht, um diesen Teil der Schwäbischen Alb kennenzulernen und zu erwandern.
Nach der Anreise mit PKWs und der Deutschen Bahn traf sich die Gruppe im gepflegten Hotel „Zum Süßen Grund“, das zum „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ gehört und besonders auf die Bedürfnisse von Wanderern zugeschnitten ist.
Bei einem leckeren Abendessen fieberte die Gruppe gespannt der ersten Wanderung, dem Traufgang „Schlossfelsenpfad“, entgegen. Diese konnte am nächsten Morgen vom Hotel aus gestartet werden. Schritt für Schritt zeigte sich die Flora, benannt nach der römischen Göttin der Blumen des Frühlings, in reicher Fülle: Frühlingsfingerkraut, Frühlingsplatterbse, Frühlingsenzian schienen mit Veilchen, Buschwindröschen, Lerchensporn und gelben Windröschen einen Schönheitswettbewerb auszutragen. Die mächtigen Buchen am Wegesrand hielten ihre aufspringenden Blattknospen noch absichtlich klein, um den zu Füßen ihrer Stämme strahlenden Blüten so viel Sonne wie möglich bereitzustellen und abzuwarten bis diese verblühen, um erst danach ihr Blätterdach vollständig zu entfalten. Die gepflegten Wanderwege mit zahlreichen Beschilderungen sorgten für Spannung entlang der Hangkante des Albtraufs.
Nicht weniger Spannung bot am zweiten Tag der Traufgang „Hossinger Leiter“. Wie der Name sagt, führt ein Großteil des Weges über eiserne Stufen, die sich nah an den steilen weißgrauen Jurafels schmiegen. Vor etwa 100 Jahren bestanden die heutigen Stufen aus Holzleitern, als einzige Verbindung zwischen dem Albdörfchen Hossingen und der Talgemeinde Lautlingen, die es zum Weg zur Arbeit zu überwinden galt. Beeindruckende Ausblicke in Richtung Schwarzwald und wildromantische Schluchten begleiten die Wanderinnen und Wanderer bis zum Ziel, belohnt mit einem köstlichen Eis oder kühlen Getränken.
Panoramawandern und Landschaftskino pur bot am nächsten Tag der Traufgang „Zollernburg-Panorama“. Ausgangspunkt ist die Kuppe des Raichbergs (956m ü. NN) mit dem 1928 erbauten Raichbergturm am Wanderheim Nägele-Haus. Zunächst breitete sich die sanfte Albhochfläche mit schier endlosen Wiesen, die in Magerwiesen mit Wacholderbeständen übergeht, vor der Wandergruppe aus. Kurz darauf wechselt der Weg teils als dramatische Traufkante mit Felsspornen, Klüften und Beinah-Abrissen über wurzelreichen Pfaden. Der absolute Höhepunkt der Tour bietet sich nach einem steilen Pfad hinauf das „Zeller Horn“. Atemlos und schweigend genießt man den Blick auf die majestätische Burg Hohenzollern. Beeindruckt beendet man die Wanderung mit einer gemütlichen Einkehr im Nägele-Haus.
Am nächsten Tag war das direkte Ziel die Besichtigung der Burg Hohenzollern. Vom Parkplatz Zollernburg-Panorama führte der Fußweg vorbei an stark duftenden Hängen mit dem zu dieser Jahreszeit erntereifem Bärlauch. Nach einem steilen Abstieg talwärts folgte ein ebenso steiler Anstieg direkt vor die Tore der Burg. Sie ist der Stammsitz des Hauses Hohenzollern. Alleiniger Eigentümer ist Georg Friedrich Prinz von Preußen. Die wechselvolle Geschichte der Burg beginnt 1267 als „Erste Burg“, die jedoch 1423 vollständig zerstört wurde. Das heutige Bauwerk, die „Dritte Burg“ präsentiert sich im Neugotischen Stil. Es kann vollständig besichtigt werden und besteht hauptsächlich aus vier Elementen: den Befestigungsanlagen, dem Schlossgebäude, den Kapellen und dem Burggarten. Beeindruckt von der Fülle von Informationen galt es den Rückweg anzutreten, der nicht minder anstrengend ist als der Zuweg zur Burg.
Beim Traufgang „Wacholderhöhe“ ist der Name Programm. Die Gruppe startete am Parkplatz Sandlöcher zu einer entspannten Tour mit landschaftlichen Akzenten, die am Start des Rundweges mystisch das Karstphänomen der Sandlöcher (Dolinen) erkennen lässt. Schätzungsweise gibt es auf der Schwäbischen Alb 5.000 Dolinen, die oft mit dem Höhlensystem und dem Karstwasser verbunden sind. Sie bilden wertvolle Biotope und stehen unter Naturschutz. Wacholderheide soweit das Auge reicht. Diese Überlebenskünstler auf den kargen Böden stehen selbstbewusst auf weiten Flächen, kein Busch gleicht dem anderen. Während eine Pflanze bereits grüne Beeren (Fachbegriff: Zapfen) trägt, die noch dieses Jahr erntereif werden, trägt die Nachbarpflanze kleine unscheinbare Blüten. Das erklärt sich daraus, dass es zwei Jahre bis zur Reife dauert. Verwendet wird Wacholder als Heil- und Gewürzmittel.
Am letzten Wandertag wurde der Albtrauf „Ochsenbergtour“ erkundet. Der dichte Mischwald gab immer wieder Ausblicke auf das belebte Albstadt frei. Der beliebte Vesperplatz „Alpenblick“ bot dank des schönen, sonnigen Wetters einen phantastischen Blick auf die weit am Horizont entfernten Alpen. Zum Ende des Rundweges öffnet sich die urzeitliche Heidensteinhöhle mit einer Länge von 40 m, die einst als schützende Behausung für unsere Vorfahren diente. Heute bietet sie Unterschlupf für Fledermäuse während der Winterzeit.
Eine rundum gelungene Wanderwoche neigte sich bei einem gemütlichen Abschiedsabend „Zum Süßen Grund“ dem Ende zu. Damit ist sich die Gruppe einig: Der Albtrauf, die wohl schönste Kante im „Ländle“ mit seinen einzigartigen Traufgängen und Traufgängerle, machen die Schwäbische Alb zu einem empfehlenswerten Wandergebiet. Die Stadt Albstadt bietet dazu eine ausführliche Broschüre unter www.albstadt-tourismus.de/service/prospekte an.
Text und Fotos: Roswitha Vitiello
![]() |
| Zeller Horn |




